Streetracing – Versuchung der Geschwindigkeit

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In Zeiten von Filmen wie The Fast and the Furios ist es nicht verwunderlich, dass die Zahlen der dokumentierten illegalen Straßenrennen sprunghaft ansteigen. Von Oktober 2017 bis Ende 2018 wurden in Berlin 298 illegal durchgeführte Straßenrennen verzeichnet.

Was aber macht die Faszination der Geschwindigkeit aus? Warum müssen es heimliche Streetraces sein, wenn es doch auch zum Beispiel Touristenfahrten auf Rennstrecken, wie dem Nürburgring gibt? Dort wird dann wirklich jedem, der bereit ist ein Ticket zu kaufen, erlaubt, eine Runde mit seinem eigenen Fahrzeug auf einer echten Rennstrecke zu drehen und sich selbst zu testen.

Oft ist es der Reiz des Verbotenen, manchmal weil keine Rennstrecke in der Nähe ist. Hin und wieder spielen auch unnötige Rivalitäten und Provokationen eine Rolle. In den meisten Fällen allerdings handelt es sich um schlichte Selbstüberschätzung, weil man eventuell bei PS4-Spielen schließlich auch mit 200 Stundenkilometern um die Ecke donnern konnte.

Dass Realität und Spiel sehr weit auseinandergehen, ist dann oft eine zu späte Erkenntnis – da sind die Kotflügel dann schon verbeult. Gut, wenn es lediglich beim Blechschaden bleibt.

Das menschliche Gehirn vermittelt, je öfter eine Tätigkeit angesehen wird, immer weniger die Komplexität dieses Vorgangs. Es kommt einem leicht vor. Wie zum Beispiel, wenn man bereits 500 Motivtorten, wie passend zu EM nächstes Jahr Fußball-Torten, im Internet gesehen hat, hübsch dekoriert und eingedeckt, und es dann selbst versucht. Das Ergebnis entspricht selten den eigenen Erwartungen. Die beabsichtigten fußball torten werden dann doch lieber dort bestellt, wo Profis am Werk sind. Und man erkennt, dass man etwas nicht deshalb schon kann, weil man es sich angesehen hat.

Rennfahrer, die Profis im Racing, tun wenig anderes als Autorennen fahren. Würden sie ein Auto bei einem Straßenrennen steuern, wäre die Gefahr, dass Blech und Mensch Schaden nehmen, um einiges geringer. Die hart und langwierig antrainierten Reflexe und vor allem die gesammelten Erfahrungen ermöglichen es einem Profi und ausgebildeten Rennfahrer, der Situation angepasst zu reagieren. Sein Gehirn hat die gesammelten Informationen als Automatismen abgespeichert, was bedeutet, dass er über seine Handlungen nicht nachdenken muss. Dies verkürzt die Reaktionszeit immens. Auf verschiedenen Seiten zum Thema kognitive Fähigkeiten werden diverse Tests verlinkt, um die eigene Reaktionszeit zu testen. Die durchschnittliche Reaktionszeit, das heißt die Zeit vom ersten unbewussten Wahrnehmen bis zur Einleitung einer Aktion, liegt bei 180 Millisekunden.

Für das Streetracing sind eine realistische Selbsteinschätzung und eine überdurchschnittliche Reaktionszeit obligatorisch. Eine uneingeschränkte Sehleistung ist ebenfalls entscheidend.

Doch auch darüber hinaus sind die kognitiven Fähigkeiten des Fahrers ein nicht zu unterschätzender Faktor. Bieten sich dem Fahrer repetitive, also sich wiederholende Bilder, beispielsweise Bürgersteige mit Fußgängern, werden die Bewegungen der Leute irgendwann als harmlos eingestuft und nicht weiter beachtet. Das führt dazu, dass ein sich auf die Straße zubewegender Mensch, später wahrgenommen wird. Entsprechend verlängert sich die Reaktionszeit. Daher ist für Streetracing ebenfalls eine immense Konzentrationsfähigkeit erforderlich.

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